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Kommissionierverfahren im Vergleich: Welches passt zu welchem Lagerprofil?
Die Kommissionierung ist in vielen Lagern der Punkt, an dem es zuerst eng wird. Fehlende Fachkräfte führen zu Schichtlücken, verspäteten Auslieferungen und Nacharbeit durch Fehlkommissionierungen, körperlich belastende, monotone Tätigkeiten bleiben als erstes unbesetzt.
Wer über Automatisierung nachdenkt, stellt deshalb selten die Frage „Welches Verfahren ist technisch das beste?“ Wichtiger ist: Welches Verfahren passt zu meinem Lager, meinem Sortiment und meinem Durchsatz?
Dieser Beitrag ordnet die gängigen Ansätze nach Lagerprofil ein – damit die Entscheidung auf den realen Betrieb einzahlt, nicht auf den Technik-Trend.
Die Verfahren im Überblick
Für die Kommissionierung im Lager gibt es drei Grundverfahren, manuell, robotergestützt und kollaborativ, sowie ergänzende Add-ons wie Pick-by-Light, Pick-by-Vision und Pick-by-Voice. Welches Verfahren passt, hängt von Sortiment, Durchsatz und Personalsituation ab.
Bei der manuellen Kommissionierung picken Mitarbeitende die Artikel selbst, im Schnitt rund 400 Picks pro Stunde. Das Verfahren ist überall einsetzbar und flexibel, hängt aber vollständig an der Personalverfügbarkeit.
Bei der robotergestützten Kommissionierung (Pick-by-Robot) übernimmt ein Pickroboter das Item-Picking aus einem automatisierten Kleinteilelager. Ein Pickroboter schafft rund 630 Picks pro Stunde und kann über 70 Prozent eines typischen Sortiments greifen. Über sogenanntes Zero-Shot Reasoning erkennt er neue Artikel rein visuell an Form, Farbe und Lage, ohne dass jedes Produkt vorab angelernt werden muss. Das macht den Ansatz auch für Lager mit wechselndem Sortiment geeignet.
Bei der kollaborativen Kommissionierung (Mensch-Roboter-Kollaboration, MRK) arbeiten Mensch und Roboter im selben Arbeitsraum zusammen. Sicherheits-Scanner, virtuelle Zonen und dynamische Geschwindigkeitsanpassung sorgen dafür, dass sich der Roboter gefahrlos in Menschennähe bewegt. Das eignet sich für gemischte Aufgaben, die sich nicht vollständig automatisieren lassen.
Ergänzend unterstützen Add-ons vor allem die manuelle Kommissionierung z.B. Pick-by-Vision (Datenbrille), Pick-by-Light und Pick-by-Voice. Sie ersetzen die Kommissionierung nicht, machen sie aber schneller und fehlerärmer.
Beliebte Add-ons: Pick-by-Light und Pick-by-Voice
Pick-by-Light führt die Mitarbeitenden per Lichtsignal zum richtigen Fach und zeigt die Entnahmemenge an – das verkürzt Suchzeiten und senkt Fehlgriffe. Bei KraussMaffei in Parsdorf ergänzt Pick-by-Light am Kommissionierplatz das automatische Kleinteile- und Hochregallager.
Pick-by-Voice gibt die Aufträge per Sprache über Kopfhörer aus; die Mitarbeitenden arbeiten mit freien Händen und ohne Blick auf ein Display. Bei der Andechser Molkerei unterstützt Pick-by-Voice die Kommissionierung im Kühlhochregallager.
Vergleich nach Lagerprofil
Der direkte Vergleich zeigt die beiden quantifizierbaren Optionen – manuell und robotergestützt. Die kollaborative Kommissionierung lässt sich nicht in denselben Kennzahlen abbilden; ihre Stärken beschreiben wir im folgenden Abschnitt.
| Kriterium | Manuell | Robotergestützt (Pick-by-Robot) |
| Durchsatz | ~400 Picks/h je Kraft | ~630 Picks/h je Roboter |
| Kosten pro Pick | 7,5 Cent | 3,1 Cent (mehr als halbiert) |
| Fehlerquote | fehleranfälliger, Nacharbeit | unter 1 % |
| Verfügbarkeit | personalabhängig, Schichtlücken | über 98 %, konstant |
| Ergonomie/Entlastung | körperlich belastend, monoton | übernimmt monotone Tätigkeiten |
| Wechselndes Sortiment | flexibel, auch schwierige Artikel | >70 % pickbar, Zero-Shot für neue Artikel |
| Investition | keine Systeminvestition, ~30 €/h all-in | ab ~500 T€ Lager + ~180 T€ Roboter; RaaS ab ~5–6 T€/Monat |
Wann welches Verfahren passt
Robotergestützte Kommissionierung spielt ihre Stärken vor allem dort aus, wo hohe Artikelvielfalt, hoher Durchsatz und monotone Wiederholung zusammenkommen. Genau hier entlastet sie das Personal spürbar und macht Spitzenzeiten planbar, weil der Roboter konstant verfügbar ist.
Die kollaborative Kommissionierung passt, wenn Mensch und Maschine eng zusammenarbeiten sollen und Arbeitssicherheit im Vordergrund steht wie bei gemischten Aufgaben, die sich nicht vollständig automatisieren lassen. Sie reduziert Unfallrisiken und wirkt sich positiv auf BG-Kennzahlen und Versicherungskosten aus.
Bei geringen Volumina oder sehr heterogenen Einzelfällen bleibt die manuelle Kommissionierung sinnvoll – oft als Ergänzung für die Artikel, die sich nicht wirtschaftlich automatisieren lassen.
Wo Sie bei begrenztem Personal mit der Automatisierung sinnvoll beginnen, lesen Sie im Beitrag Automatisierung Lager: Wo anfangen bei Personalmangel?
Aus der Praxis
Beim Lebensmittellogistiker Rohlik reichten die personellen Ressourcen im Item-Picking nicht mehr aus: hohe Artikelvielfalt, durchgehender Betrieb, wiederkehrende Schichtlücken. Die Kombination aus automatisiertem Kleinteilelager, Pickroboter und SAP-Anbindung pickt heute über 70 Prozent des Sortiments, schafft mehr als 6.000 Picks pro Tag und hält die Fehlerquote unter einem Prozent. Bei Siemens in Rastatt übernimmt eine Roboterzelle das automatisierte KLT-Handling und entlastet die Mitarbeitenden so von monotonen, körperlich belastenden Tätigkeiten.
Fazit
Es gibt nicht das eine beste Kommissionierverfahren – es gibt das passende für Ihr Lagerprofil. Wer Sortiment, Durchsatz und Arbeitssituation ehrlich bewertet, findet die wirtschaftlich und ergonomisch sinnvollste Lösung meist in einer Kombination. Als herstellerunabhängiger Systemintegrator berät HÖRMANN Intralogistics technologieoffen, welcher Weg zu Ihrem Betrieb passt. Sprechen Sie uns an und wir schauen gemeinsam auf Ihr Lager.